Anglizismus des Jahres 2015

Last but not least

wurde nach dem Wort des Jahres 2015 (Flüchtlinge) und dem Unwort des Jahres 2015 (Gutmenschen) am 26.01.2016 auch noch der Anglizismus des Jahres 2015 gekürt: „Refugees Welcome“. Die Jury des Anglizismus des Jahres besteht aus einer Gruppe von Wissenschaftlern um den Berliner Sprachwissenschaftler Dr. Anatol Stefanowitsch von der FU Berlin.

Seit 2010 wird regelmäßig ein Anglizismus des Jahres gewählt. Offenbar sieht die Jury die Notwendigkeit dies zu tun, obwohl auch die Auswahllisten der GfdS für das „Wort des Jahres“ selbstverständlich Anglizismen enthalten. So zum Beispiel 2008 „Yes, we can“, 2009 „Bad Bank“, 2010 „Wikileaks“, 2011 „Burnout“, 2013 „Big Data“, 2014 „Social Freezing“. 2015 stand das Wort „Selfie-Stab“ auf Platz sieben der Liste, was zwar eine deutsch-englische Kombination ist, jedoch durch den Frankozismus „Je suis Charlie“ auf Platz zwei ergänzt wurde.

Die Anglizismen der deutschen Sprache durch eine eigene Liste zu würdigen, kann aber vermutlich auch nicht schaden. Schließlich leben wir in einer (wort)listenfreudigen Zeit. Und die therapeutische Wirkung von Listen jeder Art ist vermutlich unumstritten. Vermutlich bin ich der einzige Mensch, der sich von den ganzen Listen hin und wieder ein bisschen erdrückt fühlt.

Publikumsliebling

Insgesamt gesehen bilden das Wort, das Unwort und der Anglizismus des Jahres 2015 eine thematische Einheit. Alle drei Wörter beziehen sich auf den verstärkten Zuzug von Asylsuchenden nach Europa, insbesondere nach Deutschland, seit Mitte des Jahres 2015. Dieses politische Ereignis und seine gesellschaftliche Resonanz haben sich in der Sprache niedergeschlagen.

„Refugees Welcome“ hat sich zum Beispiel auf einem Spruchband vor der Fassade eines Jugendzentrums in meiner Nachbarschaft niedergeschlagen, und darüber bin ich sehr froh. Die Jury des Anglizismus des Jahres erklärt, dass es sich hierbei um eine Parole handle, die Flüchtlingsorganisationen verschiedener Länder bereits seit mehreren Jahren verwenden und die im Jahr 2015 in Deutschland ein fester sprachlicher Bezugspunkt geworden sei.

Neben dem Urteil der Juroren spielt bei dieser Wahl auch die Meinung des Publikums eine Rolle. Und „Refugees Welcome“ ist in 2015 auch eindeutig Publikumsliebling. Nun ist „Publikumsliebling“ ein Wort, das mich leicht nervös macht. Diesem Wort haftet etwas Oberflächliches und leider oft auch Kurzlebiges an. Das wäre in diesem Kontext wirklich schade. Sehr interessant in diesem Kontext finde ich hingegen den Anglizismus des Jahres 2014. Dabei handelt es sich um das Wort „Blackfacing“.

2 Gedanken zu “Anglizismus des Jahres 2015

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